Der Biss der 3-Köpfigen Schlange

  • 2.Zyklus

    Die Hände schwielig schmerzend , die Arme übersät mit schwarzen bis dunkelblauen Streifen. Der Kopf kahl , unter den Augen tiefe dunkle Ringe. Das Gewicht um 10 Kilo reduziert so lag der Chronist nun an dem Ufer des Flusses. Seine Fingernägel hatten sich dunkel verfärbt durch die Blutergüsse unter den Nägeln.


    Schmerzend hielt er seine Hände an sich gedrückt. Zitternd vor Angst und schwäche. Viele Tage hatte er gelitten in seiner Höhle wie ein Tier. Hatte Auswürfe der Lunge bei jedem Schritt. Konnte sich kaum noch aufrecht halten. Die Welt bewegte sich ständig um ihn und seine Orientierung war erloschen. Er konnte kein Wasser mehr sehen weswegen seine Haut nun fahl , faltig und alt wirkte. An regelmäßiges trinken war nicht zu denken. Genauso wie das Essen. Die wunden Stellen in seinem Mund waren lang unter Kontrolle zuhalten doch jetzt wurde es schlimmer. Seine Zähne verfärbten sich braun schwarz. Ständig schmerzten ihn Arme und Beine weswegen seine Haltung meistens gebückt oder kauernd auf seinem Bett war.
    Die Schlange hatte recht behalten das Gift leistete ganze Arbeit. Raubte ihm noch den letzten Rest Schönheit . Jetzt fing die Schlange an nicht gleich ihn mit den Giftzähnen zu beißen sondern roch an ihm. Inspizierte ihn wie ihre Beute. Dann biss sie zu und schmeckte sein Blut erst dann empfing er ihren schmerzhaften Biss der Heilung.

    Der Schreiber hatte bemerkt das neben dem Gefühl der absoluten Schwäche sich nun etwas anderes einstellte. Genauso wie seine Schönheit dahinwelkte so taten es auch die Tumore. Sie zogen sich zurück ganz langsam und Hoffnung keimte in ihm auf. Vielleicht würde sie ihn retten ? Vielleicht war es noch nicht zu spät gewesen. Jetzt am Tiefpunkt seiner Kraft und der Ablösung seiner äußeren Persönlichkeit erkannte er das Heilung nicht darin zu finden ist besonders auf sich zu achten. Sie ist auch nicht damit verbunden besonders Vital und Fit zu wirken. Sie ist nur dann zu erreichen wenn wir manchmal uns selbst aufgeben um ein anderer zu werden. Krankheit verändert. Aber Veränderungen sind nicht immer schlecht. Auch wenn sie erst einmal hässlich und schmerzhaft sind. Mit dieser Erkenntnis begann der nächste Zyklus .
    Wieder Bluthusten. Wieder schmerzen im ganzen Körper. Die Haut veränderte sich noch weiter. Unreinheiten die vorher vorhanden waren wurden aus seinem Gesicht radiert und er bekam eine glatte , weiße fast schon unmenschlich wirkende Fassade. Schmerzen in der Lunge und in der Brust kamen jetzt dazu. Durch das viele Husten wurde ihm in den nächsten 7 Tagen oft schlecht und ihn verließ mehr als einmal das Bewusstsein. Der Körper befand sich jetzt gegen 2 Gegner im Krieg . Das Gift und die noch vorhandenen Tumore und mit jedem Biss der Schlange wurde es schlimmer.
    Am 7 Tag als der 2 Zyklus beendet war war er nicht mehr in der Lage selbst zur Höhle zu kommen und die Schlange legte sich behutsam um ihn und wog ihn sanft in den Schlaf. 10 Kilo Gewicht hatte er nun gelassen. Sein Atem ging schwer und in seinem Körper begann der Kampf von neuem. Er hatte das Gefühl innerlich aufgefressen zu werden. Als verflüssigte sich sein Inneres. Nichts konnte er bei sich behalten was er gegessen hat. Die Verdauung brachte alles in flüssiger Form wieder zu Tage und machte seine Haut noch älter und den Verstand noch etwas wirrer.
    Er wollte nur noch seine Ruhe konnte kaum noch sprechen. Nichts mehr schreiben. Ab und zu versuchte er einen Brief zu verfassen den eine Flaschenpost auf dem Fluss ins Dorf tragen sollte aber es gelang ihm kaum. Jetzt stellte sich das Gefühl von Einsamkeit ein. Tiefe trauer um fing ihn wenn er an sein Dorf dachte. Wenn er jetzt dahingerafft werden würde dann würde sein Dorf nicht mal wissen das es so war. Wenn er schmerzen hatte konnten ihn seine Vertrauten nicht das Haar streicheln. Wenn er gebeutelt wurde von schwindel konnte ihm niemand die Hand halten. Er war allein mit seiner Krankheit. Sicherlich viele hätten ihm zugehört doch wer hätte wirklich verstanden was in ihm vorging? So bohrten die Zweifel weiter in ihm . Er war kaum noch vorhanden. Sein Geist war manchmal klar manchmal wirr. Das Interesse an seiner Umgebung und dem Schönen war nun ganz erloschen. Jetzt gab es nur noch ihn , das Gift und die Krankheit.
    Mit diesen Gefühlen beendete er auch diesen Zyklus und die Schlange geleitete ihn wieder in seine Hoehle nach dem er wieder und wieder unzählige Liter an Wasser trinken musste. Seine Nieren schmerzten und sein Atem war merklich flacher geworden. Vielleicht war dies nun das Ende dachte er bei sich. Er war am Ende seiner Kraft. Bereit aufzugeben um erlöst zu werden von dieser Last. Der Abend senkte sich nun über dem Dschungel und ließ eine blutrote Sonne am Horizont erkennen mit diesem Blick schlief er nun erschöpft ein.

    Über den Autor

    a starving child is a fightful sight. A starving Vampire, even worse (Anne Rice)

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