Der Biss der 3-Köpfigen Schlange 2. Zwischenspiel

  • Zweites Zwischenspiel
    Er erwachte am Morgen. Schweiß nass und zitternd. Ein Zeichen das ihm die alten Mediziner im Dorf prophezeiten. Wenn er dies spürte war der Kampf noch nicht gewonnen. Die Tumore wuchsen wieder und er fühlte sich einfach nur schlecht. Hatte er verloren? Dann setzte wieder die Wirkung des Giftes mit voller Wucht ein.
    Krämpfe , Husten , Schmerzen im ganzen Leib. Diese Dosis war die Stärkste gewesen bis jetzt. Das Karussell in seinem Kopf hatte noch einmal an fahrt aufgenommen. Wenn er etwas schrieb oder den Geräuschen lauschte konnte er sich kaum auf diese konzentrieren. Wenn jemand mit ihm Sprechen würde dann wäre er nicht in der Lage gewesen irgendetwas von dem zu verstehen was man ihm sagte. Die Fingernägel waren jetzt fast schwarz und brüchig. Jede Bewegung der Hände und Finger bereitete ihm höllische Schmerzen. Dazu kam nun noch eine andere sehr bedrohliche Situation. An seinen Füssen entdeckte er auf einmal schwarze Stellen. Sie platzten auf und fingen an stinkende Flüssigkeiten abzusondern. Als würde er bei lebendigen Leibe verwesen.
    Mit Blättern und Lianen versorgte er die wunden Füße nun alles war so surreal geworden. Vor ein Paar Monaten noch war er scheinbar etwas durcheinander gewesen aber doch noch recht fit. Ihm wurde zwar öfters klar das er manches Vergessen hatte aber das kann ja schon mal vorkommen wenn man ein bewegtes Leben führt. Niemals hätte er so eine Wendung seines Lebens in Betracht gezogen. Niemals hätte er erwartet das etwas so kleines an seinem Körper ihm so schaden würde.
    Entdeckt hatte er die Tumore selber. Voller Angst und Ungewissheit die Untersuchungen des Medizinmannes abgewartet in der Stillen Hoffnung das da sonst nicht wäre. Es kam anders. Die Nachricht von seiner Krankheit traf ihn mit voller Wucht. Die Möglichkeiten einer Heilung waren gut aber ihm wurde der Weg hier her gewiesen an den Fluss zur Dreiköpfigen Schlange. Jeder Biss eines anderen Kopfes war schmerzhaft gewesen bis jetzt und jede Dosis Gift hatte ihn immer mehr von dem entfernt wie er einmal war. Das Leben wich der kalten starre des scheinbar unabwendbaren.
    Jede Hoffnung wich aus seinem Geist als er sich das erste mal an den den Fluss begeben hatte. Jetzt nach dem er den Zweiten Biss des zweiten Kopfes empfangen hatte war fast nichts mehr von ihm übrig. Körperlich hatte er sich in einen Geist verwandelt. So durchscheinend und zerbrechlich wie er es nie vorher in seinem Leben gewesen war. Sein Geist so zerrüttet und wirr das er manchmal selbst nicht mehr wusste ob es Tag oder Nacht war. Schlaf war jetzt im 2. Zwischenspiel die einzige Möglichkeit diesen Gedanken und Gefühlen in ihm zu entfliehen. Doch er konnte nicht schlafen. Nacht für nach lag er lange wach und klammerte sich an die Felswand seiner Höhle. Betete das der Schwindel verschwinden würde. Flehte das die schmerzen aufhören würden und er endlich wieder normal Essen und Trinken würde können. Doch das Gift kannte kein Erbarmen weder mit ihm noch mit den Tumoren.
    Würgend , hustend , zitternd schleppte er sich durch den Tag. Kaum im Stande nur einmal aufzustehen. Wieder dachte er an sein Dorf und an die sonnigen Abende in seiner Heimhöhle dort. Wenn er vor ihr saß und seine Gedanken niederschrieb und seine Lieben um sich hatte. Jetzt hatte er nur noch sich selbst. Alles war weg jetzt wo er es am nötigsten brauchte. Doch das war der Preis den er wohl zahlte. Sein wirrer Geist hatte ihn sehr verändert. Schon bevor er zur Schlange kam.
    Keiner konnte mehr richtig mit ihm umgehen. Fremd war er den Leuten geworden. Seiner Familie und dem Dorf. Mit diesen Gedanken schlief er wieder ein und sein Geist verdüsterte sich langsam. Er fing an sich und alles um sich zu hassen. Warum er ? Warum so ? Fragen über fragen und doch nur eine Antwort. Weil es eben so war. Keine Möglichkeit es zu ändern. Keine Chance dem letzten Zyklus zu entkommen der sich unaufhaltsam näherte. Was würde ihn noch erwarten? Noch mehr Schmerzen, noch mehr Verlust? Das würde er so nicht verkraften. Doch die bittere Wahrheit war er musste es durchstehen.
    Warum ? Um seiner selbst willen. Um leben zu können. Nicht um anderen weiterhin ein treuer Begleiter zu sein und sich deren Schicksale und Sorgen anzuhören. Jetzt musste er für sich kämpfen und aushalten was ihm noch widerfahren würde. So verging auch dieses Zwischenspiel in einer weiteren eiskalten Nacht. Als er die Augen schloss herrschte Ungewissheit in ihm. Würde er die Augen noch einmal öffnen ? Würde er den dritten Biss überstehen und danach geheilt wieder aus seiner eigenen Asche auferstehen? Seine Träume waren wirr. Selbst in seinen Träumen war er jetzt der Kranke. Es drehte ihn und sein Äußeres war dem gleich was er im Wasser gesehen hatte. Als wenn er in ein fremdes Spiegelbild sah. Als die Sonne am Horizont emporstieg hatte die Schlange sich schon vor seine Höhle gelegt in der Gewissheit das er den Weg zum Fluss jetzt nicht mehr allein schaffen würde.

    Über den Autor

    a starving child is a fightful sight. A starving Vampire, even worse (Anne Rice)

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