Der Biss der 3-Köpfigen Schlange 3. Zyklus der Preis des Lebens

  • Dritter Zyklus der Preis des Lebens
    Sanft glitt die Schlange über den Urwaldboden zum Fluss. Den Chronisten auf ihren Rücken geladen. Sein Körper war übersät mit schwarzen und dunkelblauen Druckstellen. Offene Wunden an den Beinen und am Gesäß. An den Füssen wurden diese Stellen erst blau dann Schwarz.
    Stöhnend vor schmerzen und zitternd vor angst lag der Chronist zusammengekauert auf dem Rücken der Schlange. Nur ein Windhauch hätte ihn jetzt davon tragen können. Doch es half alles nichts. Der dritte Kopf der Schlange erhob sich und schmeckte erst wieder sein Blut dann folgte der schmerzhafte Biss mit dem heilenden Gift.
    Die anderen Bissstellen hatten sich in der Zeit der Ruhephase stark entzündet. Schreiend lag er vor Schmerzen oft wach. Der Fuss , der Hals alles schmerzte unwahrscheinlich und er dachte schlimmer kann es nicht mehr kommen. Schlimmeres als dieser Zustand würde nichts mehr passieren. Die Haut hing ihm in fetzen nun von den Händen. Die Druckstellen dort hatten sich geöffnet. Die Haut war aufgeplatzt und hatte rohes Fleisch zu tage gebracht. Langsam nur wuchs neue Haut darüber. Doch die Zehen am Rechten Fuss verfärbten sich immer dunkler.
    Als der erste Tag am Fluss des 3. Zyklus zu ende war merkte er die Wirkung des Giftes gleich. Es fraß sich durch seine Gedärme und riss ihn offne Stellen in seinen Mund. Sein Geschmackssinn verschwand und er konnte nicht mehr unterscheiden zwischen Früchten und Gras. Am 2. Tag der 7 Tage wurde ihm bewusst das er nun so leicht war und so schwach das er seinen eigenen Herzschlag erschütternd durch seinen Körper spüren konnte.
    Ständige Töne in seinen Ohren stellten sich ein und machten ihn halb verrückt. Hämmern , piepen, summen rund um die Uhr. Sein Geist wurde immer brüchiger und er war sich nun über nichts mehr sicher. Seiner Gefühle, seiner Familie , seine Bekannten und Freunde. Alles rückte in weite Ferne und entfremdete ihn noch weiter von seinem Ich. Jetzt war nichts weiter von ihm da als ein durchscheinender Geist. Den Blick ins Leere gerichtet. Der Atem war das einzige was noch anzeigte das er am Leben war.
    Flach hob und senkte sich die Brust. Sein Atem war deutlich hörbar. Ständiges Husten begleitete jetzt seinen 2. Tag. Es würgte ihn immer wieder ab und seine Arme und Händen schmerzten innerlich als fräße sich ein Tier durch sein Inneres. An Schlaf war nun fast nicht mehr zu denken. Die Stunden vergingen ohne ein müdes Auge bis der Tag aus seinem Schlaf erwachte und der 3. Tag die blutrote Sonne gebar.
    Intensiver nahm er nun alles wahr. Die Sonne brannte in seinen Augen. Die Vögel sangen nicht mehr in seinen Ohren sie kreischend ohrenbetäubend und er hasste nun ihren doch so lieblichen Gesang. Hätte jetzt jemand mit ihm gesprochen. Wäre er wahnsinnig geworden. Er hätte sich auf kein Problem noch leichtes Thema konzentrieren können. Der Geruch des Waldes war unerträglich. Es stank in seiner Nase nach fauligen Laub und die Blumen rochen ekelhaft süßlich. Ihm war schon von dem Gift nun immer schlecht aber diese Eindrücke verschlimmerten noch den 3. Tag. So senkte auch sich dieser Tag in dem Rhythmus aus Bissen und trinken aus dem Fluss.
    Seine Nieren brannten wie Feuer durch das ständige ausscheiden des Giftes. Doch die Schlange zwang ihn immer wieder dazu zu trinken. Ein weiterer Tag geschafft. Jetzt da die Nacht hereinbrach legte sich die Schlange wieder um ihn. Beschützte ihn vor der Umwelt. Schirmte ihn ab vor den Geräuschen so das der Schlaf kommen konnte.
    Der 4. Tag sollte der bislang schlimmste aber werden. Krämpfe und Schmerzen gaben sich die Hand. Das Karusell in in seinem Kopf hatte noch mal an fahrt aufgenommen . Würde es noch etwas schneller sich drehen würde er sein Frühstück wieder geben. Die Schlange biss wieder zu und aus seiner Vene am Hals schoss auf einmal das Gift. Es hatte sich durch die wunden gefressen und die Schlange musste erneut zubeißen um die Stellen abzudecken. Ein weiterer schmerzhafter Prozess.
    Sein Körper war nun gänzlich ohne Gegenwehr. Mental wie auch Körperlich hatte er dem Gift nichts mehr entgegenzusetzen. Alles um ihn herum war ihm durch das Leiden egal geworden. Er flehte die Natur an ihren Duft aus seiner Nase zu tilgen , ihre Tiere zum schweigen zu bringen und die Winde zum erliegen zu bringen. So verging der 4. Tag. Am 5 Tag wollte er sich kurz erheben nach dem Schlaf aus seinem Krankenlager doch sein Geist entwich und erfand sich aus einer Bewusstlosigkeit am Boden erwachend nach einiger Zeit. Die Schlange hatte wieder über ihn gewacht. Sie war immer da. Trotzdem empfand er sich alleingelassen. Sünden in seinem Leben hatte er begangen , falsche Entscheidungen hatte er getroffen und zu oft war er zu menschlich gewesen. Jetzt am scheinbaren Ende dieses Weges erkannte er die Sinnlosigkeit aller dieser Sachen.
    Er Empfand nur noch leere. Der durchscheinende Geist war geboren und er würde ihn noch lange begleiten. Als der 7. Tag anbrach und er den letzten Biss empfing flüsterte eine Stimme in seinem Kopf. „ Es ist Zeit den letzten Preis zu bezahlen. Vollkommenheit“. Er war sich nicht bewusst was die Stimme damit meinte aber es würde ihm sehr schnell klar werden.
    Als die Schlange abließ erhoben sich die anderen Köpfe und schnellte auf ihn zu. Einer nahm ihm die zwei schwarzen Zehen des rechten Fusses und der zweite Kopf einen Teil der Männlichkeit. Er kroch schmerzerfüllt von der Schlange weg aber ihr dritter Kopf folgte ihm und legte sich wieder um ihn und flüsterte in sein Ohr „Nichts ist um sonst. Der Tod nicht , das Leben nicht und auch nicht die Gesundheit. Alles hat seinen Preis und du hast ihn nun gezahlt. Du wirst unvollkommen sein . Wirst nie Nachkommen zeugen können und wirst noch lange an mein Gift erinnert werden. Jahre werden vergehen bis du wieder der bist der du warst aber du lebst. Ich habe dich durch mein Gift gerettet. Ich habe dir die Möglichkeit geschenkt weiter zu machen. Dein Lebenswerk kann vollendet werden. Deine Aufgabe war noch nicht erledigt. Alles hat nicht nur einen Preis sondern auch einen Sinn. Er zähle von dem was du erlebt hast. Berichte von dem was hier passiert ist. Das auch andere kommen die Krank sind und meines Giftes bedürfen. Der Schmerz wird vorüber gehen. Deine Haare werden wachsen und dein Körper sich erholen. Alles dies sollst du erzählen und nun geh. Aber sei dir gewiss du bist noch lange nicht aus meinem Griff. Eines Tages kann es sein das wir uns wieder sehen. Eines Tages kann es sein das du den Biss von neuem empfängst. Ungewiss ist die Zukunft und doch strahlend schön für den der in sie schaut. Nun geh!

    Ohne Haare , humpelnd auf einem Stock und blasser als der Kalkstein kehrte der Chronist in sein Dorf zurück. Niemand erkannte ihn mehr als der der er mal war. Viele dachten das er ein Fremder sei. Er selbst fühlte sich als Fremder nun in seinem Dorf. Kälte stieg in ihm auf. Ließ ihn zitternd ab nun jeden Tag zurück. Kein Feuer wärmte je wieder seinen Körper in den nächsten Jahren. Die Schmerzen in seinem Körper hielten ihn weiter noch Wochen nach dem letzten Biss wach und sein Geist erholte sich nur langsam wieder. Aber es wurde besser und er wurde sich bewusst das er jetzt sein Leben von vorn beginnen musste. Musste vieles überdenken. Musste über neue Geschichten nachdenken und sie erzählen. Doch eines würde er nie wieder werden der alte Chronist.

    Ende

    Zerstörung ist der Anfang von etwas Neuem in dem wir uns neu erschaffen können.

    Über den Autor

    a starving child is a fightful sight. A starving Vampire, even worse (Anne Rice)

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